Souveränität & Betrieb

Was, wenn die Maschine den PDF-Berg abträgt?

Automatisierte Barrierefreiheit ist möglich

PDF Logo vor einem Notebook

Thomas Rudin

Auf der Website einer Universität oder Hochschule liegen tausende PDFs: Formulare, Bescheide, Ordnungen, Publikationen. Sie sind der Teil des Angebots, der die meisten Barrierefreiheits-Mängel verursacht, und zugleich der Teil, den die Web-Redaktion am wenigsten kontrolliert. Ein PDF kommt fertig aus einem Dezernat, gebaut in Word, exportiert aus InDesign oder eingescannt, und landet auf einer Seite, die den Namen der Redaktion trägt. Dass öffentliche Stellen ihre Dokumente barrierefrei bereitstellen müssen, ist seit Jahren geltendes Recht, Übergangsfristen gibt es keine mehr, und Überwachungsstellen prüfen den tatsächlichen Zustand. Die Frage ist also nicht, ob die Pflicht gilt, sondern ob der eigene Bestand sie heute erfüllen würde.

Für einen einzelnen neuen Text ist das lösbar. Das Problem ist der Berg: die tausenden Altdokumente, die über Jahre entstanden sind, bevor jemand an Barrierefreiheit dachte. Ein PDF sauber nachzurüsten (korrekte Tag-Struktur, definierte Lesereihenfolge, beschriftete Tabellen, Alternativtexte) kostet eine bis mehrere Stunden qualifizierter Arbeit. Multipliziert mit einem vierstelligen Bestand ergibt das eine Zahl, die kein Haus in seinem Redaktionsalltag unterbringt. Von Hand ist dieser Berg nicht abzutragen. Die naheliegende Frage lautet deshalb: Was davon lässt sich einer Maschine übergeben und was nicht?

Was ein solches Werkzeug tatsächlich tut

Vorweg der Reflex, den man sich sparen kann: „Das ist doch nur Content, das kann man automatisiert umwandeln." Der Satz stimmt und unterschätzt das Problem zugleich. Ein PDF ist kein sauberes Datenformat, sondern eher ein Ablageplatz, in den jedes erzeugende Programm etwas anderes hineinschreibt. Dasselbe Dokument sieht in Firefox anders aus als im Adobe Reader, ein Word-Export trägt andere Altlasten als ein PowerPoint-Export, und in fast jedem stecken Dinge, die dort niemand vermutet: nicht eingebettete Schriften, Leerzeichen in einer fremden Schrift, ein drei mal drei Pixel großes weißes Bild ohne erkennbaren Zweck.

Ein brauchbares Werkzeug macht deshalb nicht eine Sache, sondern viele hintereinander. Es erzeugt die Dokumentstruktur und die Lesereihenfolge, bettet fehlende Schriften ein, erkennt Tabellen, setzt Metadaten korrekt, generiert Alternativtexte für Bilder und prüft das Ergebnis am Ende gegen den Standard, den auch die Überwachungsstellen anlegen: PDF/UA, maschinell validiert mit veraPDF, dem De-facto-Prüfwerkzeug der Branche. Wichtig ist dabei ein Detail, das man erst schätzt, wenn man es einmal falsch gemacht hat: Das Original wird nicht neu geschrieben, sondern ergänzt. Wer ein PDF komplett neu erzeugt, verliert unterwegs zuverlässig irgendetwas.

Das Werkzeug, über das wir hier sprechen, heißt PubliGuard und entsteht bei der InnoHub GmbH. Sein erstes Modul kümmert sich um genau diesen Fall: Aus einem beliebigen PDF wird vollautomatisch ein getaggtes, geprüftes und nachweisbares Dokument. Rund eine Minute pro Datei, im Stapel über Nacht durchlaufend, die Größenordnung, in der ein vierstelliger Bestand nicht mehr eine Personalfrage ist, sondern eine Rechenzeitfrage.

Wo die Maschine (noch) aufhört

Jetzt der Teil, den ein Prospekt gern überspringt. Automatisierte Barrierefreiheit reicht so weit, wie sich Barrierefreiheit maschinell entscheiden lässt und keinen Schritt weiter. Das sogenannte Matterhorn-Protokoll trennt genau hier: Ein großer Teil der Anforderungen ist automatisch erfüllbar. Ein Rest verlangt menschliches Urteil, weil eine Maschine ihn nicht zuverlässig beurteilen kann. Ob die Lesereihenfolge inhaltlich wirklich stimmt. Ob ein Farbkontrast trägt. Ob ein Alternativtext das Bild sinnvoll beschreibt.

Und dieser Rest ist real. Ein Modell erkennt aus einem weißen Kachelbild schon einmal „eine Katze, die auf einem Fenster sitzt", oder macht aus einem Multifunktionsdrucker eine „weiße Canon-Multifunktionsdruckerei" auf einem Tisch, den es gar nicht gibt. Solche Ausreißer sind kein Bedienfehler, sie liegen an der Grenze der heutigen Technik. Deshalb arbeitet PubliGuard nicht als Blackbox: Ein geführter Freigabeprozess stellt Original und Ergebnis nebeneinander, man prüft die generierten Alt-Texte, korrigiert und gibt frei. Sogar diesen menschlichen Schritt stützt die KI noch einmal, indem sie unplausible Texte und Brüche in der Lesereihenfolge vorab markiert.

Das Ergebnis dieser Arbeitsteilung ist belastbar: nach automatischem Durchlauf ein nach PDF/UA valides Dokument, nach der Sichtprüfung vollständige WCAG-Konformität und ein dokumentierter Nachweis für die Erklärung zur Barrierefreiheit. Denn die eigentliche Falle liegt genau dort: Die Erklärung ist eine öffentliche Aussage über die Konformität des eigenen Angebots, und eine Überwachungsstelle gleicht sie mit der Realität ab. Wer „weitgehend konform" erklärt und einen Bestand aus ungetaggten PDFs pflegt, dokumentiert die Lücke im Zweifel selbst. Ein geprüftes Dokument behauptet nichts mehr, das niemand belegen kann. Es hat einen Beleg.

Vom Altbestand zurück an die Quelle

Ein automatisierter Durchlauf leistet nebenbei etwas, das die Handarbeit nie geschafft hat: Er macht sichtbar, warum ein Bestand so aussieht, wie er aussieht. Jeder Hinweis, den das Werkzeug liefert, ist zugleich ein Wink an die erzeugende Stelle: Beim nächsten Export auf dieselbe Kleinigkeit geachtet, und das Problem entsteht gar nicht erst. „Shit in, shit out" gilt hier in beide Richtungen. Der Altbestand lässt sich einmal aufräumen; damit der Berg nicht sofort wieder wächst, gehört die Prüfung mittelfristig an den Anfang: dorthin, wo ein Dokument ins Redaktionssystem hochgeladen wird. Genau das ist die Ausbaurichtung: die Prüfung als Bestandteil des Uploads, nicht als nachträgliche Reparatur.

Über die Barrierefreiheit hinaus zeichnen sich die beiden anderen Baustellen ab, die dieses Magazin bereits beschrieben hat: die Bildrechte auf der Website und die Kennzeichnung von KI-Inhalten. Beides sind Prüfungen, die sich technisch ähnlich fassen lassen, und beides steht auf derselben Roadmap. Mit den PDFs im Griff ist der nächste Pflichtenkreis kein Neustart mehr.

Schicken Sie uns Ihr schwierigstes PDF

Am Ende überzeugt kein Text über ein solches Werkzeug so gut wie das eigene PDF, das man durchlaufen sieht. Deshalb die Einladung: Schicken Sie uns ein PDF Ihrer Wahl: ein Antragsformular, eine Prüfungsordnung, eine Publikation, gern das schwierigste, das Sie finden. Wir jagen es durch und zeigen Ihnen konkret, was daraus wird, mitsamt der Stellen, an denen die Maschine an ihre Grenze kommt.


Kostenloser PDF-Check

Senden Sie uns ein PDF Ihrer Wahl. Sie bekommen das automatisiert bearbeitete, gegen PDF/UA geprüfte Ergebnis zurück plus eine ehrliche Einschätzung, was vollautomatisch gelingt und was ein Mensch nachziehen müsste.

Das Werkzeug ist in aktiver Entwicklung, und wir wollen besser werden. Jedes Dokument, das Sie uns geben, und jede Rückmeldung dazu fließt direkt in die Weiterentwicklung ein. Sie erhalten ein brauchbares Ergebnis, wir lernen aus Ihrem echten Material. Daher sind uns gerade die schwierigen Fälle am liebsten.

Betreff „PubliGuard PDF-Check" · kontakt@der-campus.de


Für Hochschulen und Universitäten, die tiefer einsteigen wollen, geht es einen Schritt weiter. In einer begleiteten Testphase können Sie eine definierte Zahl eigener Dokumente selbst durchlaufen lassen und mit dem Ergebnis arbeiten. Der Aufwand liegt bei uns, der fertige, prüfbare Bestand bei Ihnen. Im Gegenzug fließt Ihr Feedback in die Roadmap ein: Das Modul für PDF-Barrierefreiheit läuft heute, die beiden folgenden entstehen mit Pilothäusern gemeinsam. Wer früh dabei ist, gestaltet mit, wie das Werkzeug am Ende aussieht.

Thomas Rudin

ScrumMaster, Team Coach, Digitalisierungsexperte für Bildungsprojekte

Der Autor

Kurzbeschreibung

Thomas Rudin begleitet digitale Projekte an Universitäten und Hochschulen, von agilem Projektmanagement und der Product-Owner-Rolle bis zu Barrierefreiheit, Bildrechten und der Kennzeichnung von KI-Inhalten. Ihn interessiert besonders, was sich davon automatisieren lässt; Fragen aus der Praxis beantwortet er gern.

Expertise

Projektmanagement-Berater mit 15+ Jahren Expertise in der Leitung und Begleitung komplexer digitaler Transformationsprojekte • Zertifizierter Scrum Master, Product Owner und IHK-Projektmanager mit Schwerpunkt auf agilen Methoden

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Projektmanagement-Berater mit 15+ Jahren Expertise in der Leitung und Begleitung komplexer digitaler Transformationsprojekte • Zertifizierter Scrum Master, Product Owner und IHK-Projektmanager mit Schwerpunkt auf agilen Methoden

Info

Neben gemeinsamen Projekten fördern wir den fachlichen Austausch innerhalb der Branche durch Autorenbeiträge, Einblicke und praxisnahe Inhalte aus unserem Netzwerk. So bilden wir eine unabhängige Plattform für Wissen, Erfahrung und Innovation in der Universitäts- und Hochschulkommunikation.

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