Strategie & Identität
Exzellenz ist kein Alleinstellungsmerkmal
Warum Hochschulen und Universitäten Vision, Mission und echte Werte brauchen

Philipp Zwingel
Exzellent. Innovativ. International. Interdisziplinär. Wer sich durch die Strategiepapiere und Websites deutscher Hochschulen und Universitäten arbeitet, begegnet diesen Begriffen erstaunlich häufig. Das ist verständlich. Schließlich beschreiben sie Qualitäten, die Wissenschaft und Bildung auszeichnen sollen.
Exzellent. Innovativ. International. Interdisziplinär. Wer sich durch die Strategiepapiere und Websites deutscher Hochschulen und Universitäten arbeitet, begegnet diesen Begriffen erstaunlich häufig. Das ist verständlich. Schließlich beschreiben sie Qualitäten, die Wissenschaft und Bildung auszeichnen sollen.
Aber was macht eine Hochschule oder Universität wirklich unverwechselbar? Wer Exzellenz für sich beansprucht, unterscheidet sich damit noch nicht automatisch von anderen. Und wer international oder innovativ sein möchte, beschreibt zunächst einen Anspruch, aber noch keine eigene Identität.
Genau hier beginnt ein grundlegendes Missverständnis: Eigenschaften werden mit Werten verwechselt. Leistungsmerkmale mit Haltung. Und positive Selbstbeschreibungen mit einer klaren Positionierung. Dabei beginnt eine starke Hochschul- oder Universitätsmarke mit anderen Fragen: Wer sind wir? Was treibt uns an? Und welchen Beitrag wollen wir für Wissenschaft und Gesellschaft leisten?
Wenn alle besonders sind, ist niemand unverwechselbar
Exzellenz, Internationalität und Innovation sind zweifellos wichtig. Sie können sogar profilbildend sein, wenn eine Hochschule oder Universität über besondere, belegbare Stärken verfügt. Häufig sind sie jedoch vor allem Hygienefaktoren: Eigenschaften, die von einer wissenschaftlichen Institution erwartet werden und deren Fehlen stärker auffallen würde als ihr bloßes Vorhandensein.
Eine Hochschule oder Universität soll exzellente Forschung ermöglichen, internationale Perspektiven eröffnen und Neues hervorbringen. Doch daraus ergibt sich noch keine Antwort auf die Frage, welchen eigenen Charakter sie besitzt. Entscheidend ist, mit welcher Haltung sie ihren Auftrag erfüllt, welche Überzeugungen sie leiten und welchen spezifischen Anspruch sie an ihre Zukunft formuliert.
Identität beginnt nicht mit einem Claim
Wenn Hochschulen und Universitäten über Markenentwicklung sprechen, geht es oft schnell um Sichtbarkeit: um ein neues Erscheinungsbild, einen Claim oder eine Kampagne. All das kann sinnvoll sein. Aber es setzt etwas voraus, das sich nicht allein gestalten oder textlich herbeischreiben lässt: eine klare institutionelle Identität.
Dafür braucht es eine Auseinandersetzung mit Geschichte und Kultur, mit wissenschaftlichem Selbstverständnis, mit vorhandenen Stärken und gemeinsamen Ambitionen. Was verbindet eine Hochschule oder Universität über Fakultäten und Disziplinen hinweg? Welche Überzeugungen sollen Forschung, Lehre und Zusammenarbeit prägen? Und welches Zukunftsbild kann Orientierung geben?
Ein gutes Leitbild ist dabei keineswegs nur ein vorbereitender Text für die Markenstrategie. Es hat einen eigenständigen Wert: Es stiftet Identität, schafft Zugehörigkeit und kann Menschen über unterschiedliche Aufgaben und Perspektiven hinweg verbinden.
Vision, Mission und Werte: Drei Fragen, die den Unterschied machen
Ein tragfähiges Leitbild muss mehr leisten als eine Liste wünschenswerter Eigenschaften. Es braucht eine klare Vorstellung davon, wohin sich die Hochschule oder Universität entwickeln will, warum sie existiert und welche Grundüberzeugungen ihr Handeln prägen.
Die Vision zeichnet ein inspirierendes Zukunftsbild. Sie formuliert eine gemeinsame Ambition, die über das Tagesgeschäft hinausweist. Die Mission beschreibt den Sinn und den spezifischen Beitrag der Institution, mehr als die formale Feststellung, dass hier geforscht und gelehrt wird. Und die Werte bringen zum Ausdruck, welche Haltungen das Miteinander und die Entscheidungen leiten sollen.
Echte Werte benennen keine beliebigen Vorzüge. Sie machen deutlich, welche Überzeugungen eine Hochschule oder Universität auch dann leiten, wenn Interessen aufeinandertreffen oder Entscheidungen schwierig werden. Erst ihre spezifische Auslegung zeigt, ob sie zur Identität einer Institution gehören oder lediglich gut klingen.
So wird das Leitbild zu einem Orientierungsrahmen, der mehr leistet als eine überzeugende Selbstbeschreibung.
Ein Leitbild muss mehr können als Zustimmung erzeugen
Die Herausforderung liegt nicht nur darin, Vision, Mission und Werte zu formulieren. Gerade an Hochschulen und Universitäten besteht die Versuchung, möglichst viele Perspektiven in einem Text zu versammeln. So entsteht leicht ein Leitbild, dem kaum jemand widerspricht, das aber wenig Profil erkennen lässt.
Gute Leitbildarbeit braucht deshalb Identifikation und Zuspitzung zugleich. Welche Überzeugungen sind für uns tatsächlich charakteristisch? Was verstehen wir unter guter Wissenschaft? Welche besondere Rolle wollen wir für Studierende, Forschende und Gesellschaft einnehmen? Und welche dieser Aussagen sind mehr als bloßer Konsens?
Nicht jede Facette muss im Leitbild stehen. Entscheidend ist ein gemeinsamer Kern, der inhaltlich Substanz besitzt und Menschen Orientierung gibt, ohne die Vielfalt der Hochschule zu negieren.
Vom Selbstverständnis zur Positionierung
Doch auch ein überzeugendes Leitbild ist noch nicht die vollständige Markenstrategie. Während Vision, Mission und Werte vor allem das institutionelle Selbstverständnis prägen, verbindet die Markenstrategie diese Identität mit dem Umfeld und den Erwartungen relevanter Zielgruppen.
Welche Aspekte unserer Identität sind für Studieninteressierte, Forschende, Mitarbeitende oder Partner besonders relevant? Worin unterscheiden wir uns von anderen Hochschulen oder Universitäten? Welche Stärken können wir glaubwürdig belegen? Und welches Bild soll sich daraus langfristig entwickeln?
Aus Identität wird eine Positionierung, wenn das Leitbild mit nachweisbaren Kompetenzen, den Bedürfnissen relevanter Zielgruppen und einer bewussten Differenzierung verbunden wird. Die Markenstrategie setzt Schwerpunkte und schafft damit die Grundlage für Kommunikation und Gestaltung.
Werte zeigen sich nicht auf Papier, sondern im Handeln
Ob die Werte tragen, zeigt sich nicht in der Abschlusspräsentation, sondern im Hochschul- und Universitätsalltag. Eine Hochschule oder Universität, die Offenheit betont, muss Raum für unterschiedliche Perspektiven schaffen. Wer Eigenverantwortung als Prinzip verankert, sollte auch Entscheidungs- und Handlungsspielräume eröffnen. An solchen Erfahrungen wird der eigene Anspruch messbar.
Hilfreich sind deshalb Leitprinzipien, die die grundlegenden Werte in Orientierung für konkrete Handlungsfelder übersetzen. Erst wenn aus Haltung nachvollziehbare Entscheidungen und Erfahrungen werden, gewinnt ein Markenversprechen an Glaubwürdigkeit.
Was am Ende zählt
Hochschulen und Universitäten brauchen keine längeren Listen positiver Eigenschaften. Sie brauchen Klarheit darüber, wer sie sind und welche Zukunft sie mitgestalten wollen. Exzellenz, Innovation und Internationalität bleiben wichtig, sind aber nicht automatisch Werte oder Alleinstellungsmerkmale.
Ein starkes Leitbild verbindet Vision, Mission und Werte zu einem gemeinsamen Selbstverständnis. Markenstrategie entwickelt daraus eine relevante und unterscheidbare Positionierung. Kommunikation und Corporate Design geben ihr einen wiedererkennbaren Ausdruck.
Oder anders gesagt: Exzellenz beschreibt, wie gut eine Hochschule ist. Ihre Identität erklärt, wer sie ist und wofür sie steht.
Herausforderung erkannt?
Dieser Artikel skizziert das Problem. Lassen Sie uns über die Lösung für Ihre Hochschule sprechen.




