Strategie & Identität
Die Stadt studiert mit
Warum der Universitäts- und Hochschulstandort zur Marke gehört

Florian Schubert
Der Wunschstudiengang ist gefunden, nun steht die Wahl der Universität oder Hochschule an. Dabei kommen auch ganz praktische Fragen auf: Wo finde ich ein bezahlbares Zimmer? Wie weit ist es bis zur Universität oder Hochschule? Und wie sieht das Leben außerhalb der Vorlesungen aus?
Ein Studienplatz ist auch eine Entscheidung für einen Lebensort
Der Wunschstudiengang ist gefunden, nun steht die Wahl der Universität oder Hochschule an. Dabei kommen auch ganz praktische Fragen auf: Wo finde ich ein bezahlbares Zimmer? Wie weit ist es bis zur Universität oder Hochschule? Und wie sieht das Leben außerhalb der Vorlesungen aus?
Für Studieninteressierte gehören solche Überlegungen zur Studienentscheidung. Schließlich wählen sie einen Ort, an dem sie mehrere Jahre verbringen werden. Die Qualität der Lehre und das fachliche Angebot bleiben wichtig. Doch auch das Umfeld bestimmt, ob ein Studium attraktiv und überhaupt realisierbar erscheint.
In der Kommunikation von Universitäten und Hochschulen wird dieser Zusammenhang häufig unterschätzt. Studiengänge, Forschung und Campusausstattung stehen im Mittelpunkt, während der Standort oft nur mit Sehenswürdigkeiten und Freizeitangeboten beworben wird. Dabei beeinflusst das Leben in der Stadt wesentlich, wie Studierende eine Universität oder Hochschule wahrnehmen und erleben.
Die regionale Nähe prägt die Studienentscheidung
Wie stark die Hochschul- oder Universitätswahl regional geprägt ist, zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Im Wintersemester 2025/26 begannen 69 Prozent der Studienanfängerinnen und -anfänger mit in Deutschland erworbener Hochschulzugangsberechtigung ihr Studium in dem Bundesland, in dem sie diese erworben hatten.
Welche Gründe für diese regionale Bindung ausschlaggebend sind, lässt sich daraus allerdings nicht unmittelbar ableiten. Das verfügbare Studienangebot, familiäre Bindungen, finanzielle Möglichkeiten und persönliche Vorstellungen können dabei zusammenspielen.
Für Universitäten und Hochschulen lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf das eigene Einzugsgebiet. Woher kommen ihre Studierenden? Welche Alternativen stehen ihnen zur Verfügung? Und welche Eigenschaften des Studienortes spielen bei ihrer Entscheidung eine Rolle? Solche Erkenntnisse helfen, die eigene Zielgruppe besser zu verstehen und gezielter anzusprechen.
Der Wohnungsmarkt entscheidet mit
Die Kosten für ein Studium hängen auch davon ab, wo sich die Universität oder Hochschule befindet. In Städten mit hohen Mieten kann die Wohnungssuche zu einer erheblichen finanziellen Herausforderung werden. An günstigeren Standorten bleibt dagegen möglicherweise mehr Spielraum für den Lebensunterhalt.
Wer von zu Hause aus pendeln kann, spart unter Umständen die Kosten für eine zusätzliche Unterkunft. Wer für das Studium umzieht, muss dagegen Wohnraum am neuen Studienort finden und finanzieren. Die Verfügbarkeit bezahlbarer Wohnungen kann damit die Wahl des Studienortes beeinflussen.
Universitäten und Hochschulen haben nur begrenzten Einfluss auf den örtlichen Wohnungsmarkt. Sie können aber dafür sorgen, dass Studieninteressierte frühzeitig realistische Informationen zu Wohnmöglichkeiten, Kosten und Unterstützungsangeboten erhalten. Gerade an teuren Standorten gehört diese Transparenz zu einer glaubwürdigen Kommunikation.
Lebensqualität bedeutet für jede Zielgruppe etwas anderes
Eine lebendige Großstadt mit internationaler Kulturszene kann für manche Studierende besonders attraktiv sein. Andere bevorzugen eine kleinere Hochschul- oder Universitätsstadt, in der sich Wohnung, Vorlesungen und Freizeitangebote schnell erreichen lassen.
Welche Eigenschaften einen Standort interessant machen, hängt auch von den individuellen Lebensumständen ab. Wer zum ersten Mal von zu Hause auszieht, sucht möglicherweise eine überschaubare Umgebung und ein aktives studentisches Leben. Für Masterstudierende können Kontakte zu Unternehmen oder Forschungseinrichtungen wichtiger sein. Internationale Studierende beschäftigen sich zusätzlich mit sprachlicher Orientierung und gesellschaftlicher Integration. Studierende mit Familie wiederum sind auf entsprechende Betreuungs- und Unterstützungsangebote angewiesen.
Die pauschale Beschreibung einer Stadt als lebenswert oder international vermittelt deshalb wenig. Aussagekräftiger ist, welche konkreten Möglichkeiten der Standort unterschiedlichen Studierendengruppen bietet und wie diese ihren Alltag dort gestalten können.
Wie der Universitäts- und Hochschulstandort zum Markenmerkmal wird
Viele Universitäten und Hochschulen werben mit einer hohen Lebensqualität, kurzen Wegen oder einer lebendigen Studierendenszene. Solche Eigenschaften können attraktiv sein, reichen für eine eigenständige Positionierung jedoch selten aus. Denn zahlreiche Standorte verwenden ähnliche Argumente.
Besonders interessant sind daher die Verbindungen zwischen dem Studienort und dem fachlichen Profil einer Universität oder Hochschule. Wenn Architekturstudierende an realen Stadtentwicklungsprojekten arbeiten oder regionale Unternehmen Einblicke in zukünftige Berufsfelder ermöglichen, gewinnt der Standort eine fachliche Bedeutung.
Solche Verbindungen können das Profil einer Universität oder Hochschule unverwechselbar machen. Sie zeigen, welche Möglichkeiten sich aus dem Zusammenspiel von Studienangebot und regionalem Umfeld ergeben.
Für die Markenentwicklung stellt sich damit die Frage, welche dieser Eigenschaften tatsächlich charakteristisch sind und für Studieninteressierte eine Rolle spielen. Studierendenbefragungen, Zielgruppenanalysen und der Vergleich mit anderen Standorten können helfen, relevante Stärken zu identifizieren und von allgemeinen Standortversprechen zu unterscheiden.
Auf dieser Grundlage lässt sich der Standort einer Universität oder Hochschule gezielt in die Markenstrategie einbeziehen. Die Kommunikation kann dann anhand konkreter Beispiele vermitteln, welche besonderen Erfahrungen und Perspektiven ein Studium an diesem Ort ermöglicht.
Was von einem Studienort in Erinnerung bleibt
Wer Jahre nach dem Abschluss von seiner Universität oder Hochschule erzählt, erinnert sich möglicherweise ebenso an die Stadt und die Erfahrungen außerhalb des Campus wie an die Studieninhalte. Diese Erinnerungen prägen das persönliche Bild einer Universität oder Hochschule und können auch beeinflussen, wie ehemalige Studierende über ihre Studienzeit sprechen.
Für die Markenstrategie ergibt sich daraus eine wichtige Frage: Stimmen die Erwartungen, die eine Universität oder Hochschule an ihren Standort weckt, mit den tatsächlichen Erfahrungen der Studierenden überein?
Die Perspektiven heutiger und ehemaliger Studierender können helfen, diese Übereinstimmung zu überprüfen. Sie machen sichtbar, welche Erfahrungen langfristig positiv in Erinnerung bleiben und welche Erwartungen an den Studienort sich im Alltag nicht erfüllt haben.
Eine glaubwürdige Universitäts- oder Hochschulmarke macht die besonderen Qualitäten des Studienortes sichtbar und vermittelt ein realistisches Bild davon, welche Möglichkeiten das Studium und das Leben dort bieten.
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