Sichtbarkeit & Performance

Nicht zu wenige Bewerber. Zu wenige die richtigen.

Warum Studiengangsmarketing an Hochschulen neu gedacht werden muss.

Foto von Adrien Olichon auf Unsplash

Michael Koch

Hochschulen scheitern bei der Studierendengewinnung selten an fehlender Reichweite, sondern an fehlender Passung. Studiengangsmarketing 360° adressiert das systematisch: von der Markt- und Zielgruppenanalyse über conversion-optimierte Landingpages und SEO/SEM-Kampagnen bis hin zu CRM-Anbindung, Lead-Tracking und kontinuierlichem A/B-Testing. Entscheidend ist dabei die strukturelle Verzahnung von Kommunikationsabteilung und Studienberatung, denn erst wenn beide Bereiche gemeinsame Ziele, Dashboards und Verantwortung teilen, entstehen qualifizierte Bewerbungen in priorisierten Studiengängen messbar und dauerhaft.

Wenn Hochschulen über Studierendengewinnung sprechen, geht es erstaunlich schnell um Reichweite. Mehr Sichtbarkeit. Mehr Klicks. Mehr Anfragen. Dabei ist Reichweite selten das eigentliche Problem. Das Problem ist Passung.

Volle Bewerbungsportale nützen wenig, wenn die Falschen sich bewerben und die Richtigen woanders landen. Was fehlt, ist kein lauteres Marketing. Es ist ein klareres Verständnis davon, wer sich für welchen Studiengang aus welchem Grund entscheidet. Und ein Prozess, der genau diese Menschen zur richtigen Zeit am richtigen Ort erreicht.

Am Anfang steht nicht die Kampagne. Am Anfang steht das Verstehen.

Bevor eine einzige Anzeige geschaltet, eine Landingpage gebaut oder ein Keyword gebucht wird, braucht es Klarheit über den Markt. Welche Zielgruppe soll überhaupt erreicht werden? Wie entwickelt sich die Nachfrage regional und überregional? Wer sind die Wettbewerber, wie positionieren sie sich, und wo liegen die eigenen Stärken in diesem Vergleich?

Aus dieser Analyse entstehen konkrete Personas und keine Demografiekurven, sondern echte Entscheidungslogiken. Was bewegt eine Abiturientin dazu, sich für Wirtschaftsinformatik zu bewerben? Was hält einen Quereinsteiger davon ab, ein berufsbegleitendes Masterprogramm anzufragen? Welche Fragen stellt jemand drei Monate vor dem Bewerbungsschluss und welche erst drei Tage davor?

Wer diese Fragen nicht beantwortet hat, wird sie im Kampagnenverlauf teuer beantworten müssen.

Die Landingpage ist nicht der Anfang des Prozesses. Aber sie ist seine sichtbarste Schnittstelle.

Eine Studiengangsseite im regulären Webauftritt einer Hochschule ist viele Dinge zugleich: Informationsangebot, Institutspräsentation, Imageseite. Sie ist selten das eine, was eine Landingpage sein muss, nämlich auf eine einzige Handlung ausgerichtet: die Bewerbung oder zumindest die qualifizierte Kontaktaufnahme.

Eine conversion-optimierte Landingpage denkt das anders. Sie fängt Interessenten dort ab, wo sie gerade stehen: mitten in ihrer Entscheidung. Sie beantwortet genau die Fragen, die in diesem Moment relevant sind. Sie vermeidet alles, was ablenkt. Und sie macht den nächsten Schritt so einfach wie möglich: ein Formular, ein Beratungstermin, ein Bewerbungslink.

Das klingt simpel. Es ist es nicht. Denn genau hier entscheidet sich, ob aus Traffic qualifizierte Leads werden oder ob Interessierte die Seite wieder verlassen, ohne eine Spur zu hinterlassen.

Gute Beispiele zeigen, wie das aussehen kann: Sie setzen gezielt auf eigenständige Kampagnenseiten pro Studiengang bzw. pro Studienbeginn mit klarer Botschaft, reduzierter Navigation und prominentem Call-to-Action. Sie trennen bewusst zwischen dem institutionellen Webauftritt und dem Akquisitionskanal.
https://www.iu.de/bachelor/wirtschaftspsychologie/
https://www.srh-university.de/de/landingpage/kampagnen-seiten/studium-2024/
https://aufzurhsb.de/

Sichtbarkeit ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis von Struktur.

Eine gute Landingpage, die niemand findet, verändert nichts. Deshalb gehört zur Konzeption immer auch die SEO-Architektur: Welche Keyword-Cluster sind für diesen Studiengang relevant? Wie suchen potenzielle Bewerberinnen und Bewerber und welche Informationsbedürfnisse stecken hinter diesen Suchanfragen?

Parallel dazu laufen SEM-Kampagnen über Google Ads, die gezielt Nachfrage aktivieren und nicht nur abschöpfen, was ohnehin schon gesucht wird. Wer nur auf offensichtliche Suchbegriffe bietet, spielt im selben Feld wie alle anderen. Wer Entscheidungsmomente früher erkennt und bespielt, hat einen strukturellen Vorteil.

Was nach dem Klick passiert, ist mindestens so wichtig wie der Klick selbst.

Hier liegt ein häufig übersehener Bruch im System. Jemand landet auf der Seite, füllt ein Formular aus und dann? Ohne CRM-Anbindung verschwindet dieser Lead im Nichts oder landet in einem Postfach, das niemand systematisch bearbeitet. Ohne Funnel-Analyse weiß niemand, an welchem Punkt Interessenten abspringen. Ohne Performance-Dashboard entscheidet Bauchgefühl, was funktioniert und was nicht.

Ein durchdachtes Studiengangsmarketing baut diese Infrastruktur von Anfang an mit. Lead-Tracking. Bewerbungsstrecke. Automatisierte Nachfass-Kommunikation. A/B-Tests, die nicht einmalig durchgeführt, sondern kontinuierlich ausgewertet werden. Denn das entscheidende Qualitätskriterium ist nicht die erste Version der Landingpage. Es ist eher die zehnte.

Dieser Prozess ist keine Aufgabe einer Abteilung. Er ist eine Querschnittsaufgabe.

Und genau hier liegt in der Praxis die größte Reibung. Denn Studiengangsmarketing in diesem Sinne berührt mindestens zwei Bereiche, die an Hochschulen oft getrennt operieren: die Kommunikations- und Marketingabteilung auf der einen Seite, die Studienberatung auf der anderen.

Die Kommunikation denkt in Kampagnen, Botschaften, Kanälen. Die Studienberatung denkt in Zielgruppen, Fragen, Entscheidungsverläufen. Beide haben Wissen, das der jeweils andere braucht. Und beide müssen am Ende dieselbe Bewerbungsstrecke bespielen, die eine mit Werbedruck, die andere mit Beratungsqualität.

Ein Studiengangsmarketing, das funktioniert, bringt diese Perspektiven zusammen. Nicht in einem einmaligen Kick-off-Workshop. Sondern strukturell: in gemeinsamen Zielen, gemeinsamen Dashboards, gemeinsamer Verantwortung für die Qualität der eingehenden Bewerbungen.

Fehlt diese Verknüpfung, entstehen die bekannten Probleme. Kampagnen generieren Anfragen, die die Studienberatung als unqualifiziert erlebt. Beratungserkenntnisse fließen nicht zurück in die Kampagnensteuerung. Und niemand weiß am Ende wirklich, warum manche Studiengänge ihre Zielzahlen erreichen und andere nicht.

Was am Ende zählt

Qualifizierte Bewerbungen entstehen nicht durch mehr Sichtbarkeit allein. Sie entstehen, wenn ein Prozess so aufgesetzt ist, dass die richtigen Menschen zur richtigen Zeit die richtige Botschaft empfangen und dann einen nächsten Schritt machen, der für sie einfach und für die Hochschule messbar ist.

Studiengangsmarketing 360° ist genau dieser Prozess. Von der Analyse bis zum A/B-Test. Von der Landingpage bis zur Bewerbungsstrecke. Und von der Kommunikationsabteilung bis zur Studienberatung.

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Wie eine gute Studiengangs-Landingpage aussieht und was man von ihr lernen kann

Der Unterschied zwischen einer normalen Studiengangsseite und einer Kampagnen-Landingpage wird sofort sichtbar, wenn man beides nebeneinander legt. Die Studiengangsseite einer Hochschule ist ein Informationsangebot. Sie bedient viele Bedürfnisse gleichzeitig: Modulübersichten, Zugangsvoraussetzungen, Institutsinfos, Links zu verwandten Programmen. Sie ist Teil des institutionellen Webauftritts und denkt in Struktur.

Eine Kampagnen-Landingpage denkt anders. Sie denkt in einem einzigen Moment: dem Moment, in dem jemand überlegt, ob dieser Studiengang etwas für sie oder ihn sein könnte.

Private Hochschulen wie die IU Internationale Hochschule oder die Hochschule Macromedia haben diesen Unterschied früh verstanden und konsequent umgesetzt. Ihre studiengangsspezifischen Kampagnenseiten folgen einem klaren Muster:

Klare Botschaft above the fold. Keine Willkommensfloskeln, kein institutionelles Wir. Stattdessen: eine direkte Ansprache, die sofort beantwortet, was dieser Studiengang für genau diese Person bedeutet. „Starte deine Karriere in der Wirtschaftspsychologie — ohne NC, jederzeit." Der Nutzen steht vor der Institution.

Reduzierte Navigation. Die reguläre Website-Navigation verschwindet oder wird stark eingeschränkt. Wer auf einer Kampagnenseite landet, soll nicht zur Startseite wandern, sich in der Fakultätsstruktur verlieren oder zu einem anderen Studiengang abbiegen. Die Seite hat eine Richtung.

Sozialer Beweis entlang des Scrollens. Alumni-Stimmen, Berufseinstiegsquoten, Partnerunternehmen, Akkreditierungen nicht als Anhang, sondern als integrierter Bestandteil der Überzeugungsstruktur. Jeder Scroll-Schritt reduziert ein potenzielles Hindernis vor der Bewerbung.

Ein einziger, klarer Call-to-Action. Kein „Hier informieren", kein „Mehr erfahren", kein „Kontakt aufnehmen" gleichzeitig. Entweder: jetzt bewerben. Oder: Beratungsgespräch buchen. Beides geht. Aber nicht beides gleichzeitig und gleichwertig.

Das Formular ist der Zielpunkt nicht das Ende. Wer ein Formular ausfüllt, bekommt keine Systemmail. Er oder sie bekommt eine menschliche Rückmeldung, idealerweise innerhalb weniger Stunden. Das ist der Moment, in dem Studienberatung und Marketing zusammenwachsen müssen: Die Kampagne bringt den Lead. Die Beratung macht daraus eine Bewerbung.

Was staatliche Hochschulen davon lernen können, ist nicht das Design. Es ist die Haltung. Der Mut, eine Seite nicht für alle zu bauen, sondern für genau eine Person, in genau einem Entscheidungsmoment. Das ist keine Frage des Budgets. Es ist eine Frage der Klarheit darüber, wen man eigentlich erreichen will und was dieser Mensch braucht, um den nächsten Schritt zu gehen.

Michael Koch

Michael Koch

Hochschulen digital voranbringen — mit Fokus auf das, was wirklich zählt.

Der Autor

Kurzbeschreibung

Hochschul-Websites, die wirklich funktionieren. Ich helfe öffentlichen Institutionen, digitale Plattformen zu schaffen, die Nutzer abholen — nicht überfordern. 18 Jahre Erfahrung, klarer Fokus: Nutzerakzeptanz statt Feature-Overload.

Expertise

Agiles Projektmanagement • Requirements Engineering • UX-Design • TYPO3

Themenfelder

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Info

Neben gemeinsamen Projekten fördern wir den fachlichen Austausch innerhalb der Branche durch Autorenbeiträge, Einblicke und praxisnahe Inhalte aus unserem Netzwerk. So bilden wir eine unabhängige Plattform für Wissen, Erfahrung und Innovation in der Universitäts- und Hochschulkommunikation.

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