Sichtbarkeit & Performance

Studierendenmarketing beginnt nicht mit einer Kampagne

Warum Universitäten und Hochschulen das Thema strategischer denken müssen

Foto von <a href="https://unsplash.com/de/@averye457?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditCopyText">Avery Evans</a> auf <a href="https://unsplash.com/de/fotos/person-die-das-macbook-pro-auf-einem-braunen-holztisch-benutzt-OO69OocgC78?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditCopyText">Unsplash</a>

Fabienne Fandrich

Wenn Universitäten und Hochschulen über Studierendenmarketing sprechen, geht es häufig zuerst um einzelne Maßnahmen: Social Media, Universitäts- und Hochschulmessen, Anzeigen oder neue Landingpages. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Aufmerksamkeit und Bewerbungen steigern lassen.

Das ist nachvollziehbar. Maßnahmen sind sichtbar, planbar und messbar. Doch bevor sie sinnvoll eingesetzt werden können, braucht es eine strategische Grundlage.

Studierendenmarketing wird oft zu spät gedacht

Bevor Kanäle und Formate festgelegt werden, müssen grundlegendere Fragen geklärt sein: Wen will eine Universität oder Hochschule erreichen? Warum ist ihr Angebot für diese Menschen relevant? Und welches Bild soll von ihr entstehen?

Genau dort beginnt Studierendenmarketing: bei einem gemeinsamen Verständnis von Zielgruppen, Profil und institutioneller Relevanz.

Was Studierendenmarketing tatsächlich umfasst

Studierendenmarketing bezeichnet alle strategischen und operativen Aktivitäten, mit denen Universitäten und Hochschulen Studieninteressierte und Studierende informieren, erreichen, gewinnen, begleiten und langfristig binden.

Kommunikation und Werbung gehören dazu. Aber sie bilden nur einen Teil der Aufgabe ab. Auch verständliche Studienangebote, Beratung, Bewerbung, Zulassung und Studienstart prägen diese Beziehung.

Studierendenmarketing soll keine Attraktivität erfinden. Es soll die tatsächlichen Qualitäten einer Universität oder Hochschule so sichtbar machen, dass Studieninteressierte beurteilen können, ob ein Angebot zu ihren Interessen, Fähigkeiten und Erwartungen passt.

Die Immatrikulation ist kein Endpunkt

Studierendenrekrutierung richtet den Blick vor allem auf den Weg zur Bewerbung und Einschreibung. Studierendenmarketing reicht jedoch weiter.

Die Beziehung zu einer Universität oder Hochschule beginnt häufig lange vor einem direkten Kontakt: mit einer Empfehlung, einer Suchanfrage oder einem Beitrag in sozialen Medien. Aus einer ersten Wahrnehmung entsteht Orientierung. Studieninteressierte vergleichen dabei Fächer, Standorte, Voraussetzungen und Perspektiven.

Doch auch mit der Zusage ist die Entscheidung nicht abgeschlossen. Kommunikation und organisatorische Abläufe beeinflussen, ob aus einer Zulassung ein gelungener Einstieg wird. Im weiteren Verlauf können daraus Identifikation, Weiterempfehlung und eine langfristige Alumni-Beziehung entstehen. Alle Phasen der Student Journey greifen ineinander.

Gutes Studierendenmarketing begleitet diesen Weg deshalb weit über die Immatrikulation hinaus.

Warum Studierendenmarketing heute wichtiger ist denn je

Universitäten und Hochschulen stehen heute in einem intensiven Wettbewerb um Studierende. Dabei konkurrieren sie nicht nur mit anderen Universitäten und Hochschulen im Umfeld. Auch duale Studienangebote, Ausbildungswege, Unternehmen und internationale Universitäten und Hochschulen sprechen dieselben Zielgruppen an.

Gleichzeitig sinkt in vielen Regionen die Zahl der Schulabgänger:innen. Die Entwicklung ist jedoch differenzierter: Nachfrage verteilt sich regional, fachlich und nach Universitäts- oder Hochschultyp sehr unterschiedlich. Während manche Studiengänge mehr Bewerbungen erhalten, als Plätze zur Verfügung stehen, müssen andere ihre Zielgruppen wesentlich aktiver erreichen.

Studierenden- und Absolvent:innenzahlen spielen in vielen Finanzierungsmodellen eine wichtige Rolle. Bleiben Studienplätze dauerhaft unbesetzt, kann das Auswirkungen auf Mittelverteilung und Personalplanung haben. Dadurch können besonders spezialisierte oder weniger bekannte Studiengänge unter Druck geraten.

Studierendenmarketing dient deshalb nicht nur dazu, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Es trägt zur Auslastung von Studienangeboten und damit zur Zukunftsfähigkeit einer Universität oder Hochschule bei.

Studierendenmarketing ist also keine kommunikative Zusatzleistung.

Studienangebote müssen aus Sicht der Studieninteressierten verständlich werden

Viele Universitäten und Hochschulen verfügen über besondere Stärken: überzeugende Lehre, relevante Forschung, internationale Netzwerke oder attraktive Standorte.

In der Kommunikation erscheinen diese Stärken jedoch häufig nur als eine Ansammlung von Modulen, Einrichtungen und formalen Merkmalen. Zwar stellen Universitäten und Hochschulen meist viele Informationen bereit, beispielsweise zu Zugangsvoraussetzungen, Studieninhalten und Bewerbungsfristen. Doch Vollständigkeit allein schafft noch keine Orientierung.

Zentrale Fragen von Studieninteressierten bleiben offen: Was bedeutet ein Schwerpunkt für meinen Studienalltag? Wie unterscheidet sich dieser Studiengang von ähnlichen Angeboten? Welche Arbeitsweisen erwarten mich? Welche Perspektiven eröffnet mir der Abschluss?

Gutes Studierendenmarketing priorisiert Informationen nach den Fragen der Studieninteressierten, übersetzt Fach- und Verwaltungssprache und vermittelt zugleich ein realistisches Bild des Studiums.

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht nur: Was bietet eine Universität oder Hochschule?

Sie lautet auch: Warum ist dieses Angebot für Studieninteressierte in ihrer konkreten Lebens- und Studiensituation passend?

Auch Prozesse prägen die Wahl einer Universität oder Hochschule

Eine Universität oder Hochschule kommuniziert nicht nur durch Texte, Bilder und Veranstaltungen. Sie kommuniziert auch durch die Struktur ihrer Website, die Verständlichkeit des Bewerbungsportals, die Erreichbarkeit der Beratung und die Zeit, die bis zu einer Antwort vergeht.

Ein Beitrag kann Interesse erzeugen. Bleiben auf der Studiengangsseite Fragen offen oder fehlt eine Ansprechperson, entsteht jedoch ein anderes Bild.

Studieninteressierte erleben eine Universität oder Hochschule. Jeder Kontaktpunkt zahlt auf dasselbe institutionelle Bild ein.

Service und Prozesse sind deshalb Teil des Studierendenmarketings. Nicht, weil jede Verwaltungseinheit Marketing betreiben soll, sondern weil Verständlichkeit und Nutzerorientierung zeigen, wie eine Universität oder Hochschule mit ihren potenziellen und bestehenden Studierenden umgeht.

Eine durchgängige Student Journey braucht gemeinsame Verantwortung

Studierendenmarketing kann nicht allein von der Kommunikationsabteilung getragen werden.

Die Kommunikation kann Zielgruppen analysieren, Inhalte strukturieren und Sichtbarkeit schaffen. Sie kann aber nicht allein Studiengänge profilieren, Prozesse vereinfachen oder die Studienerfahrung gestalten.

An wirksamem Studierendenmarketing sind Universitäts- und Hochschulleitungen, Kommunikationsabteilungen, Fakultäten, Studiengänge, Studienberatung, Bewerbung und Zulassung, IT und Qualitätsmanagement beteiligt.

Studierendenmarketing braucht deshalb ein gemeinsames Zielbild, geklärte Verantwortlichkeiten und eine Steuerung, die nicht an Abteilungsgrenzen endet.

Studierendenmarketing wirkt über die Entscheidung hinaus

Studierendenmarketing ist mehr als Werbung, Rekrutierung und die Aufgabe, Studienplätze zu füllen. Es gestaltet die Beziehung einer Universität oder Hochschule zu Studieninteressierten und Studierenden.

Es verbindet institutionelles Profil, verständliche Studienangebote, verlässliche Prozesse und die tatsächliche Erfahrung im Studium.

Entscheidend ist nicht nur, ob eine Universität oder Hochschule Aufmerksamkeit erhält. Entscheidend ist, ob Studieninteressierte verstehen, warum das Angebot dieser Universität oder Hochschule für sie relevant sein könnte, ob sie eine passende Wahl treffen können und ob sich das vermittelte Bild später bestätigt.

Studierendenmarketing entscheidet also nicht nur darüber, wer kommt, sondern auch darüber, wer bleibt, sich mit der Universität oder Hochschule identifiziert und sie weiterempfiehlt.

Fabienne Fandrich

Fabienne Fandrich

Universitäts- und Hochschulkommunikation zukunftsfähig gestalten, damit Universitäten im Wandel sichtbar und relevant bleiben.

Der Autor

Kurzbeschreibung

Mein Ziel ist es, Universitäts- und Hochschulkommunikation klarer, zugänglicher und strategischer zu gestalten, damit Universitäten ihr Profil schärfen und im Wandel relevant bleiben.

Expertise

Brand Strategy & Management, Marketing Strategy, Strategic Organization, Project Management, Stakeholder Coordination

Fabienne Fandrich

Fabienne Fandrich

Universitäts- und Hochschulkommunikation zukunftsfähig gestalten, damit Universitäten im Wandel sichtbar und relevant bleiben.

Der Autor

Kurzbeschreibung

Mein Ziel ist es, Universitäts- und Hochschulkommunikation klarer, zugänglicher und strategischer zu gestalten, damit Universitäten ihr Profil schärfen und im Wandel relevant bleiben.

Expertise

Brand Strategy & Management, Marketing Strategy, Strategic Organization, Project Management, Stakeholder Coordination

Info

Neben gemeinsamen Projekten fördern wir den fachlichen Austausch innerhalb der Branche durch Autorenbeiträge, Einblicke und praxisnahe Inhalte aus unserem Netzwerk. So bilden wir eine unabhängige Plattform für Wissen, Erfahrung und Innovation in der Universitäts- und Hochschulkommunikation.

Info

Neben gemeinsamen Projekten fördern wir den fachlichen Austausch innerhalb der Branche durch Autorenbeiträge, Einblicke und praxisnahe Inhalte aus unserem Netzwerk. So bilden wir eine unabhängige Plattform für Wissen, Erfahrung und Innovation in der Universitäts- und Hochschulkommunikation.

Info

Neben gemeinsamen Projekten fördern wir den fachlichen Austausch innerhalb der Branche durch Autorenbeiträge, Einblicke und praxisnahe Inhalte aus unserem Netzwerk. So bilden wir eine unabhängige Plattform für Wissen, Erfahrung und Innovation in der Universitäts- und Hochschulkommunikation.

Herausforderung erkannt?

Dieser Artikel skizziert das Problem. Lassen Sie uns über die Lösung für Ihre Hochschule sprechen.